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Dendemann: Vom Vintage verweht

dendemann_vintageVÖ: 09.04.10 / Yo Mama / Sony BMG. Zwar punktet das neue Album von Dendemann mit live eingespielten, rockigen »Beats« und Dende ist auch 2010 reimtechnisch immer noch auf der Höhe, aber die (seit Freitag auch offiziell erhältliche) Single Stumpf Ist Trumpf 3.0 hat die Messlatte einfach zu hoch gelegt, denn keiner der dreizehn Tracks kommt auch nur annähernd an den vorab ausgekoppelten Hit ran. Ein durchwachsenes Album mit wenigen Highlights also, heraus stechen einzig der durchgängige Sprachwitz und vielleicht noch die Tracks Und Wenn Ja, Warum? oder 0 Robota. Für Fans auf jeden Fall empfehlenswert, die Masse begnügt sich einfach mit der Single und dem zugehörigen Video, dessen »A-Team meets MacGyver«-Style einfach nur grandios ist.
bewertung_2

Die anderen: Haben bisher außer der offiziellen Pressemeldung nichts zu melden.

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Cypress Hill: Rise Up

cypress_hill_coverVÖ: 06.04.10 / Priority / EMI. Als Sido am Prenzlauer Berg mit seinen kleinen Kinderhändchen noch an seiner Totenkopfmaske gehäkelt hat, hatten Cypress Hill bereits der gesamten Westcoast das Fürchten gelehrt. In den letzten Jahren war es allerdings merkwürdig ruhig um die Jungs geworden. Kein Wunder: 36 Monate hatte sich die Latino-Crew im Studio verschanzt, um am neuen Album zu werkeln. Jetzt erscheint Rise Up und macht jede Menge Bock. Ohne musikalische Scheuklappen samplen sich die Hillers durch die Genres, grooven auf K.U.S.H., reimen als Trouble Seeker auf einem fetten Gitarrenriff und locken Armed And Dangerous so manche Soul-Lady auf ihren Zypressenhügel. Einen Exkurs in die gute alte Zeit des Crossovers gibt es mit dem Titeltrack obendrauf – unter fachkundiger Reiseleitung von RATM-Gitarrist Tom Morello.
bewertung_4

Die anderen: „Daher bin ich überglücklich, mein erstes Signing mit Cypress Hill bekannt zu geben. Cypress Hill ist unumstritten eine der bedeutendsten HipHop-Bands in der Musikgeschichte.“ (Label-Chef Snoop Dogg bei raplounge.de)

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Hot Chip: One Life Stand

hot_chip_coverVÖ: 29.01.10 / EMI. Mit einer heißen Clubnacht geben sich Hot Chip längst nicht mehr zufrieden. Die Jungs wollen nicht mehr und nicht weniger als den One Life Stand. Da genügt es nicht, einfach zacki-zacki ein paar Beats raus zu hauen, da ist Romantik gefragt. Das wissen die Londoner und präsentieren sich auf ihrem vierten Album ziemlich soulig und weniger verquer. Den richtigen Ton trifft dabei stets Alexis Taylor, der selbst das gospelhafte Slush nicht zur Peinlichkeit verkommen lässt. Für Tanzwütige empfehle ich allerdings I Feel Better, Thieves In The Night oder We Have Love in bester Achtziger-Disco-Manier – mit jeder Menge Remix-Potenzial.
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Die anderen:… haben wieder eine ganze Handvoll reinrassiger Hot-Chip-Tanzwüter im Gepäck, die einen vehement von der Theke ins Getümmel unter der Diskokugel zerren. Eine Band für Singles eben.(auftouren.de)

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Everclear: In A Different Light

everclear_in_a_different_lightVÖ: erhältlich / Proper Records / Rough Trade. Die härtesten Grunger werden ruhiger, wenn es auf die Rente zugeht. Art Alexakis bildet da keine Ausnahme. Mit seinen 47 Jahren kleidet der geniale Songwriter die besten Werke seiner in den Neunzigern gefeierten Combo Everclear in ein relaxtes Soundgewand. Im Mittelpunkt stehen nun Akustik-Klampfen und Keyboard-Klänge statt Stromgitarren. Wer allerdings müden Kuschelrock befürchtet, darf aufatmen: Die Neuinterpretationen haben genug Energie, um für Ärger mit den lärmempfindlichen Nachbarn zu sorgen. Den riskieren wir gerne, zumal uns die fünf Musiker dafür mit fantastischen Melodien entschädigen, die sich wie warme Sonnenstrahlen im ganzen Körper ausbreiten. Zurück bleibt jede Menge Lebensfreude und die Erkenntnis, dass Grunge selten so fröhlich klang.
bewertung_4

Die anderen: „Zum ersten Mal seit Jahren interessiert mich wirklich, was Everclear wohl als nächstes tun werden.“ (Mediametric.wordpress.com)

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Aura Dione: Columbine

aura dione albumcoverVÖ: 27.11.09 / Island / Universal. Rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit schmeißt Aura Dione ihr Erstlingswerk auf den Markt, ein anderer Zeitpunkt hätte auch wenig Sinn gemacht. Denn die mal mehr (Something From Nothing), mal weniger (Picture Of The Moon) eingängigen Songs der Songwriterin aus Dänemark tröpfeln oft dermaßen langsam vor sich hin, dass man sie wohl nur im Advent ertragen kann. Die etwas schnelleren Lieder (z.B. Stay The Same) haben dann zum Glück durch die hörenswerte Stimme und die schönen Melodien noch einen gewissen Mehrwert. An die Single I Will Love You Monday kommt aber keines der 11 anderen Lieder mehr ran. Was bleibt, ist zuckersüß verpackter Pop, der einem wohl spätestens nach Weihnachten schwer im Magen liegen wird.
bewertung_2

Die anderen: „Spielzeug-Klavier, Streicher, Glockenspiel, Flöte, Bläser oder Banjo – die junge Dänin beweist einen Hang zu sonderbarer Instrumentierung. Sonderbar bedeutet dabei nicht immer gleich schlecht.“ (laut.de)

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Blockhead: The Music Scene

Blockhead-The-Music-SceneVÖ: 15.01.10 / Ninja Tune / Rough Trade. Nicht alle Rapper ziehen eine Furcht einflößende Gangster-Fresse. Im Gesicht von Blockhead, bürgerlich Anthony Simon, macht sich meist ein Lächeln breit. Muss so sein, schließlich gehört der New Yorker zur Hiphop-Comedy-Gang Party Fun Action. Keinen Spaß versteht der Mann allerdings, wenn es um die Komplexität seiner Instrumental-Songs geht: Anspruchsvolle Soundgeflechte aus unterschiedlichen Beats, atmosphärisch und experimentell. Blockhead schreckt selbst vor Flötensoli und Sitar-Klängen nicht zurück, und serviert eine smoothe, häufig psychedelisch anmutende Downtempo-Rille. An Seele fehlt es The Music Scene zweifelsohne nicht. Trotzdem plätschern die zwölf Songs zwischen DJ Shadow und RJD2 wie die Musik im Fahrstuhl irgendwie an mir vorbei. Vielleicht vermisse ich doch ein paar kriminelle Rhymes …
bewertung_3

Die anderen: „Blockhead weiß, was er gut kann und steckt all das in The Music Scene.“ (Potholeisinmyblog.com)

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