Im Herbst hört man ja gerne mal melancholischere Musik. Moment, Herbst? So kommt einem der August im Rückblick zumindest vor: Kein Zusammensitzen auf Balkon oder Terasse bis spät in die Nacht, keinen Ausflug zum nahegelegenen Badeweiher. Stattdessen frierend mit Jacke durch die Innenstädte hetzen bei 6 Grad. Die Tracks des ersten Herbstmonats sind trotzdem ein recht farbenfroher Mix geworden.
Zugegeben, ich hatte The Ting Tings in unserer schnelllebigen Zeit schon fast wieder vergessen, obwohl sie uns 2008 mit ihren Hits That’s Not My Name, Great DJ und Shut Up And Let Me Go nicht nur den Sommer versüßt haben. Noch dieses Jahr veröffentlichen die beiden Briten ihr neues Album, und die leider erst im Oktober erscheinende Vorab-Single Hands mit der wunderbaren Hookline »Clap Your Hands If You’re Working Too Hard« macht schonmal mächtig Appetit, zudem entstand sie in Zusammenerbeit mit niemand geringerem als Calvin Harris. Auf RCRD LBL oder der Facebookseite der Ting Tings gibt es den etwas clubbigeren Low Sunday Remix des Tracks sogar gratis!
VÖ: 10.09.2010 / Ministry Of Sound / Warner. Versprochen ist versprochen, deshalb gibt es im September (pünktlich zu ihrem Auftritt auf dem Berlin Festival) Body Talk Pt. 2, schließlich ist nicht mehr viel Zeit bis Weihnachten, und der dritte Teil muss ja auch noch raus in dem Jahr. Auch Part 2 wartet wieder mit 8 Songs auf, darunter wieder eine Acoustic Version und jetzt der »echte« Mix von Hang With Me, dem Akustik-Stück des letzten Teils. Und auch diesmal gibt es keine wirklich nennenswerten Fehlschüsse. Im Gegenteil, das lang erwartete U Should Know Better mit Gaststar Snoop Dogg oder die neue Single Hang With Me (s.o.) beweisen, dass Robyn hier nicht mit Talent geizt. Ansonsten zeigt die junge Schwedin auf dem zweiten Mini-Album öfter auch ihr Faible für treibende Wiederholungen (We Dance To The Beat, Criminal Intent). Alles in Allem eine überaus gelungene Fortsetzung.
Die anderen:“Aus diesen drei Halbjahrs-EPs hätte man sogar sechs für zwei Jahre stricken können. Alles irre, aber eben auch irre gut.” (intro.de)
Hypefaktor: Nachdem ich es schon für das letzte Album prophezeit habe, jetzt aber wirklich! Viel poppiger geht nicht, Snoop Dogg tut das übrige und allerspätestens mit Body Talk Part 3 kommt der Durchbruch dann aber sowas von!
Über drei Jahre ist es schon wieder her, dass die Klaxons mit ihrem Debütalbum Myths Of The Near Future den New Rave eingeläutet haben. New-Rave-Hype hin oder her, das neue Lebenszeichen der vier Briten in Form der Single Echoes hat es jedenfalls wieder in sich: Poppiger Elektro-Rock von seiner besten Seite mit gehörigem Hitpotential. Das zugehörige Album Surfing The Void ist dieser Tage ebenfalls erschienen.
VÖ: bereits erhältlich / Townie Records. Seit einem guten Monat ist das Debütalbum Star von Hey Champ auf dem Markt und so wird es langsam Zeit, sich dem Output der Amerikaner zu widmen. Ein stimmiges, fast schon zu glattes Dance-Pop-Album mit etlichen Höhepunkten haben die drei Jungs aus Chicago da zusammengezimmert, angefangen beim Opener, dem wohl hitverdächtigsten Song des Albums, Shake, der einen schonmal bestens einstimmt für eine Dreiviertelstunde Indie-Synth-Pop, die nur gegen Ende etwas schwächelt. Vorher gibt es noch Kracher wie Artificial Man, aber auch etwas zurückgelehntere Songs wie Cold Dust Girl mit grandiosen Synthiewänden oder Neverest, die es übrigens beide auf der Homepage von Hey Champ kostenlos zum runterladen gibt.
Die anderen:“Flaws aside, Hey Champ’s Star is an album of influences and disco cool. Its shameless lack of identity is both its greatest strength and greatest weakness” (blogcritics.org)
Ou Est Le Swimming Pool kommen nicht etwa aus Frankreich, wie man vermuten könnte, sondern aus dem Norden von London. Letztes Jahr räumten sie mit Ihrem treibenden Elektropop und ihrer grandiosen Debüt-Single Dance The Way I Feel ab und jetzt legen sie mit Jackson’s Last Stand noch einen drauf. Das haben sie dieses Wochenende auf dem Dockville-Festival in Hamburg auch unter Beweis stellen können, bevor es im November auf ausgedehnte UK-Tour geht.
Die hierzulande noch recht unbekannten May 68 aus Manchester (immerhin schon bei Kitsuné gesignt) veröffentlichen nach ihrer Demo-EP mit dem wunderbaren Song Last Mile (Ein Vergleich mit Foals liegt nahe) jetzt mit My Ways ihre erste richtige Single. Die hat es auch wieder in sich, und ihr Sound irgendwo zwischen Disco, Post-Punk, House und Pop geht schön nach vorne, ohne dabei aggressiv zu werden.
Hypefaktor: Die Medien werden so langsam aufmerksam auf May 68 und die Tour mit We Have Band trägt bestimmt auch zum Erfolg bei. Das wird noch was Großes mit diesem britischen Fünfer, da lege ich mich jetzt mal fest.
Mal wieder ein besserer Remix eines Indie-Songs des äußerst umtriebigen Stuart Price, der seine Remixe derzeit als Thin White Duke veröffentlicht, aber auch schon unter den Pseudonymen Jacques Lu Cont, Les Rythmes Digitales, Man With Guitar oder Pour Homme Bekanntheit erlangt hat. Achja, außerdem ist er noch Sänger, Bassist und Keyboarder bei Zoot Woman. Da fragt man sich, wo er die Zeit für das alles hernimmt.
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