VÖ: 26.02.10 / Cooking Vinyl / Indigo. Eine feine Platte haben die Soundtüftler Andy Cato und Tom Findlay da aus dem Mischpult gezaubert: Black Light ist der eindrucksvolle Beweis, dass die Groove Armada gut 15 Jahre nach Gründung noch immer in Bewegung ist. Diesmal verlassen die Briten den knarzenden House- und Big-Beat-Dancefloor und kuscheln sich auf einen riesigen Klangteppich aus Synth-Pop. Der sorgt für wohlig-warmes Achtziger-Feeling, ohne auch nur einen Takt abgewetzt zu wirken. Bestes Beispiel dafür ist das emotionale I Won’t Kneel - Elektropop in Perfektion. Warsaw hingegen entpuppt sich als energiegeladener Riese, der kraftvoll und entschlossen nach vorne marschiert. Das Schritttempo ist dabei ziemlich low; wer so mächtig ist, kennt keine Eile. Auch ihr solltet reichlich Zeit für das Album einplanen: Black Light wächst mit jedem Hördurchgang. Hat mich schwer überzeugt …
Die anderen:“Wenn du ein echter Groove-Armada-Fan bist, wirst du Black Light lieben oder hassen. Ich bezweifle, dass es etwas dazwischen geben wird.”(urb.com)
VÖ: 19.03.10 / Mute / EMI. Wo ein von Wolken überlagertes Frauengesicht drauf ist, ist Pop drin, soviel ist schon mal klar. Mit dieser Einstellung sollte man sich dem neuen Album Head First von Goldfrapp auch nähern, denn was anderes bekommt man nicht. Kristallklarer 80er-Jahre-Electropop vom Allerfeinsten. Wer drauf steht wird sich die Hände reiben, denn Vergleiche mit ABBA und der frühen (nicht der heutigen, beliebig zwischen R&B und House wandelnden) Madonna liegen nahe. Nur knapp über 30 Minuten, verteilt auf 9 Songs, von denen etliche den direkten Weg in den Gehörgang finden. Manchmal allerdings zu glatt oder schon fast langweilig, was die beiden Briten hier auftischen, aber zum Beispiel die Vorab-Single Rocket oder I Wanna Life bergen gehöriges Hitpotential, spätestens im Grum-Remix.
Die anderen: “Head First’s singalong hooks and day-glo synths stand in marked contrast to the unhurried, pastoral sounds of Goldfrapp’s previous album, 2008’s Seventh Tree” (EW Music Mix)
Hypefaktor: Die 80er-Jahre-Retro-Welle ebbt zwar eigentlich schon ab, aber mit diesem Album erwischen Goldfrapp auch noch die resistentesten 80er-Hype-Verweigerer, bevor die 90er dann endgültig zuschlagen. Top-Ten-Alarm!
VÖ: 15.02.10 / hfn music / Roughtrade. Direkt aus dem Epizentrum der Kopenhagener Elektroszene, kraxelt Kasper Björke an die Spitze von Utopia. Im Rucksack hat er dabei den Danish Music Award als bester Produzent. Nicht die schlechteste Referenz – aber schwer zu schleppen das Teil. Vielleicht klingt der junge Mann bei den zehn Songs seines zweiten Albums deshalb ein wenig schwermütig. Spaß macht der schwülstige Elektropop im Stile von Hot Chip und WhoMadeWho trotzdem – manchmal zumindest. Björke rangiert zwischen cheesy Housetunes und knarzendem Minimalismus, schwer verdaulichem New-Age-Sound und zischenden Experimenten. Einige Hits, paar Füller. Pickt euch eure Favoriten raus.
Die anderen:“Standing On Top Of Utopia ist ein wirklich gelungener Nachfolger von In Gumbo und schickt einen, wenn man sich darauf einlässt und durch die glitzernde Oberfläche dringt, auf eine wunderbare Reise.”(BLN.FM)
VÖ: 29.01.10 / Cooperative Music / Universal.Delphic kündigten mit ihren zwei Singles Counterpoint und This Momentary letztes Jahr schon etwas Großes an, seit Anfang Januar ist die dritte Single Doubt draußen, die den Vorgängern wieder in Nichts nachsteht, plus Remix-Irrsinn. Ende Januar kommt jetzt also der Longplayer Acolyte der drei Jungs aus der Musikstadt Manchester. Darauf mischen sie gekonnt Gitarrenmusik mit elektronischen Elementen. Nichts phänomenal Neues, muss aber auch nicht. Ein paar kleine Durchhänger, wenn es dann etwas sphärischer wird, aber verstecken müssen sich Delphic mit ihrem Debüt nicht. Selbstbewusst treten sie in die Fußstapfen der großen Bands aus Manchester wie Joy Division oder New Order. Und wer sich auf der Band-Homepage registriert, bekommt 4 Songs geschenkt.
Die anderen: “Acolyte ist zu saftlos für den Rave, aber auch zu hibbelig für den Chillout danach. Nichts Halbes und nichts Ganzes.” (plattentests.de)
Hypefaktor: Müsste eigentlich der neue Scheiß werden, die nächste Single ist mit Halcyon schon im Anschlag, und bei denen lagen Delphic bisher ja goldrichtig. Und selbst die langatmigeren Album-Tracks (hier auch öfter mal jenseits der 5 Minuten) sind ja spätestens seit The XX absolut en vogue.
VÖ: 29.01.10 / EMI. Mit einer heißen Clubnacht geben sich Hot Chip längst nicht mehr zufrieden. Die Jungs wollen nicht mehr und nicht weniger als den One Life Stand. Da genügt es nicht, einfach zacki-zacki ein paar Beats raus zu hauen, da ist Romantik gefragt. Das wissen die Londoner und präsentieren sich auf ihrem vierten Album ziemlich soulig und weniger verquer. Den richtigen Ton trifft dabei stets Alexis Taylor, der selbst das gospelhafte Slush nicht zur Peinlichkeit verkommen lässt. Für Tanzwütige empfehle ich allerdings I Feel Better, Thieves In The Night oder We Have Love in bester Achtziger-Disco-Manier – mit jeder Menge Remix-Potenzial.
Die anderen: ” … haben wieder eine ganze Handvoll reinrassiger Hot-Chip-Tanzwüter im Gepäck, die einen vehement von der Theke ins Getümmel unter der Diskokugel zerren. Eine Band für Singles eben.” (auftouren.de)
VÖ: 25.01.10 / Made To Play. Immer häufiger (oder kommt es mir bloß so vor?) wird um einen guten Song ein Album gebastelt. Das ist zwar etwas zu hart bei diesem Longplayer von Riva Starr, aber dass der beste Track des Albums, eine der Singles (I Was Drunk), auch gleich das Album einleitet, ist schonmal verdächtig. Und dass gerade dieser mit einem Feature (in Bestform: Noze) aufwartet, macht die Sache nicht besser. Der Rest ist dann auch größtenteils monotoner House vom Fließband, mal mehr und mal weniger Balkan-inspiriert. Zu Riva Starrs Ehrenrettung stechen dann aber zum Glück noch ein paar Songs aus der Masse heraus: Allen voran Black Cat, White Cat und Once Upon A Time In Naples, der eine weiß mit fiepsigen, unerwarteten Sounds, das andere durch eine schöne Melodie zu bestechen. Achja: Dafür hat der Albumtitel aber schon einen ziemlich langen Bart…
VÖ: erhältlich / Proper Records / Rough Trade. Die härtesten Grunger werden ruhiger, wenn es auf die Rente zugeht. Art Alexakis bildet da keine Ausnahme. Mit seinen 47 Jahren kleidet der geniale Songwriter die besten Werke seiner in den Neunzigern gefeierten Combo Everclear in ein relaxtes Soundgewand. Im Mittelpunkt stehen nun Akustik-Klampfen und Keyboard-Klänge statt Stromgitarren. Wer allerdings müden Kuschelrock befürchtet, darf aufatmen: Die Neuinterpretationen haben genug Energie, um für Ärger mit den lärmempfindlichen Nachbarn zu sorgen. Den riskieren wir gerne, zumal uns die fünf Musiker dafür mit fantastischen Melodien entschädigen, die sich wie warme Sonnenstrahlen im ganzen Körper ausbreiten. Zurück bleibt jede Menge Lebensfreude und die Erkenntnis, dass Grunge selten so fröhlich klang.
Die anderen:“Zum ersten Mal seit Jahren interessiert mich wirklich, was Everclear wohl als nächstes tun werden.”(Mediametric.wordpress.com)
VÖ: 29.01.10 / Rookie Records / Cargo.Lauf!Lauf! fordern Genepool und liefern mit ihrer neuen Scheibe gleich den passenden Soundtrack zu einem flinken Spurt. Gingen die Kölner in der Vergangenheit noch glatt als Misfits-Coverband durch, erweitern sie ihren Sound nun um einige feine Chromosomen aus dem Genschatz des New Wave: Hier ein Hautfetzen Devo, dort ein Äderchen Wire oder Gang Of Four. Die so entstandene Klang-Kreatur hört auf den Namen Wave-Punk und präsentiert sich hymnisch und eingängig. Für die nötige Abwechslung sorgen Bläsereinsätze bei She-Bot oder ein zackiger Up-Beat bei The Maggots. Nur um dann die genetische Ähnlichkeit zu den eingangs erwähnten Horrorpunks doch wieder durch blitzen zu lassen, etwa beim treibenden Solar Life. Gefällt mir.