Oh Shit! Armand Van Helden macht unter dem Pseudonym Duck Sauce gemeinsame Sache mit A-Trak. Damit ist eigentlich alles gesagt. Kann solch ein namhaftes Klang-Kollektiv scheitern? Nicht, wenn sie in Zukunft das Niveau ihres ersten Babys Barbara Streisand halten. Das Teil groovt unwiderstehlich durch die 70er-Jahre-Disco – und erinnert mich dabei tierisch an das Intro einer Fernsehserie aus meiner Jugend. Dummerweise fällt mir ums Verrecken nicht mehr ein, welche das war. Sachdienliche Hinweise werden von mir angemessen belohnt. Also her damit …
VÖ: 28.05.10 / Moshi Moshi / Roughtrade. Die Zeiten der Konzeptalben sind vorbei. Die Generation iTunes lädt Singles – brutal rausgerissen aus dem Gesamtkontext des Longplayers. Aber halt mal – deswegen gleich den Kulturpessimisten mimen? Hat ja auch sein Gutes. So hat sich das Londoner Label Moshi Moshi bei seiner Gründung 1998 aus purer Geldnot der Veröffentlichung einzelner Songs gewidmet und damit am Puls der Zeit einen steilen Aufstieg hingelegt. Zwischenzeitlich beherbergte die angesagte Plattenschmiede namhafte Acts wie Hot Chip, The Rakes oder Friendly Fires – Indie supreme. Einen abwechslungsreichen Überblick über das aktuelle Schaffen der Labelmacher bietet die Compilation Moshi Moshi Singles Club 2. Darauf tummeln sich feine Hits von Florence And The Machine, The Drums oder den Casiokids. Insgesamt 14 Nummern zwischen Elektro-Ekstase und Gitarren-Geschrammel – mit erfreulich wenig Füllmaterial, trotz des breiten Spektrums.
Die anderen:“Dieses wirklich abwechslungsreiche Album nimmt dich mit auf eine Achterbahnfahrt durch das Beste aus dem Moshi Moshi Singles Club – du wirst jeden Song genießen.”(Poppedmusic.co.uk)
VÖ: 09.04.10 / Columbia / Sony. Mit ihrem Debüt surften MGMT vor drei Jahren auf einer riesigen Erfolgswelle direkt in die Bestenlisten der Musikkritiker und Fans. Jetzt erscheint die richtungsweisende zweite Platte mit dem obersten Gebot: Nur keinen Bauchklatscher hinlegen. Den vermeiden die Brooklyner gekonnt und verlassen zudem noch ihr gewohntes Fahrwasser: Andrew Vanwyngarden und Ben Goldwasser entdecken die Surfgitarre und servieren psychedelische Pop-Perlen zwischen Beach Boys und frühem Bowie. Während Brian Eno als lässige Lo-Fi-Garagennummer durchgeht, reist das epische Siberian Breaks in satten zwölf Minuten von den späten Sechzigern in die synthielastigen Achtziger. Weniger Hype als beim Erstling, aber durchaus gute Haltungsnoten für das Duo.
Die anderen:“Man kommt nicht umhin, den Wagemut von MGMT anzuerkennen, so offensichtlich gegen den Strich zu bürsten.”(Ohfancy.de)
VÖ: 09.04.10 / Yo Mama / Sony BMG. Zwar punktet das neue Album von Dendemann mit live eingespielten, rockigen »Beats« und Dende ist auch 2010 reimtechnisch immer noch auf der Höhe, aber die (seit Freitag auch offiziell erhältliche) Single Stumpf Ist Trumpf 3.0 hat die Messlatte einfach zu hoch gelegt, denn keiner der dreizehn Tracks kommt auch nur annähernd an den vorab ausgekoppelten Hit ran. Ein durchwachsenes Album mit wenigen Highlights also, heraus stechen einzig der durchgängige Sprachwitz und vielleicht noch die Tracks Und Wenn Ja, Warum? oder 0 Robota. Für Fans auf jeden Fall empfehlenswert, die Masse begnügt sich einfach mit der Single und dem zugehörigen Video, dessen »A-Team meets MacGyver«-Style einfach nur grandios ist.
Die anderen: Haben bisher außer der offiziellen Pressemeldung nichts zu melden.
„I smoke, I drink, I do my own thing“. KiD CuDi präsentiert die perfekte Antwort auf die Frage des Personalchefs, welche Hobbies man denn so habe. Glaubt man den Worten des Brooklyner Rappers, muss er ein ausschweifendes Partyleben führen. Leider liefert er mit seinem neuen Song I Do My Thing dazu nicht den passenden Soundtrack – das Teil schleppt sich doch ziemlich minimalistisch dahin. Da KiD aber musikalische Unterstützung von niemand geringerem als Snoop Dogg erhielt und die Zusammenarbeit auch noch von Altmeister Dr. Dre produziert wurde, möchte ich euch das Teil nicht vorenthalten.
VÖ: 19.03.10 / Audiolith / Broken Silence.Bratze sind zurück und machen da weiter, wo sie mit dem 2007er Album Kraft (schon wieder 3 Jahre her, hätte ich jetzt nicht gedacht) aufgehört haben. Und dass es in der symbiotischen Zusammenarbeit zwischen dem Elektro-Soundtüftler Der Tante Renate und dem Indie-Chanteur Clickclickdecker noch Luft nach oben gab, zeigt jetzt der neue Longplayer Korrektur Nach Unten Und Die Notwendigkeit Einer Übersetzung. Hier treffen intelligente Texte auf fette Beats, und das geht in Zeiten von Electro-Schlagersongs und »Dingalingaling«-Texten runter wie Öl. Und nimmt den lauter werdenden Stimmen der Audiolith-Kritiker selbiges aus dem Feuer (oder so ähnlich). Es geht eben auch intellektuell beim Hamburger Party-Label. Nicht ohne Abfeiern, aber wenigstens mit Stil. Das zeigt auch das selbstironische Low-Budget-Video zur Single mit dem wunderbaren Titel Ohne Das Ist Es Nur Noch Laut.
Während Jürgen Drews seinem Königreich Mallorca ein Liedchen trällert, huldigt Afrojack seinem persönlichen Lieblings-Eiland Ibiza. Genauer: dem ältesten Club der Insel. Wie es klingt, wenn das gesamte Pacha auf Acid ist, offenbart der vielsagende Track Pacha On Acid – nomen est omen. Okay, besonders viel Abwechslung zaubert der Holländer dabei nicht aus dem Hut, dafür brennt sich die Hook hart an der Grenze zum Minimal sauber in die Gehörgänge ein. Trotzdem eher was zum Runterkommen …
VÖ: 06.04.10 / Priority / EMI. Als Sido am Prenzlauer Berg mit seinen kleinen Kinderhändchen noch an seiner Totenkopfmaske gehäkelt hat, hatten Cypress Hill bereits der gesamten Westcoast das Fürchten gelehrt. In den letzten Jahren war es allerdings merkwürdig ruhig um die Jungs geworden. Kein Wunder: 36 Monate hatte sich die Latino-Crew im Studio verschanzt, um am neuen Album zu werkeln. Jetzt erscheint Rise Up und macht jede Menge Bock. Ohne musikalische Scheuklappen samplen sich die Hillers durch die Genres, grooven auf K.U.S.H., reimen als Trouble Seeker auf einem fetten Gitarrenriff und locken Armed And Dangerous so manche Soul-Lady auf ihren Zypressenhügel. Einen Exkurs in die gute alte Zeit des Crossovers gibt es mit dem Titeltrack obendrauf – unter fachkundiger Reiseleitung von RATM-Gitarrist Tom Morello.
Die anderen:“Daher bin ich überglücklich, mein erstes Signing mit Cypress Hill bekannt zu geben. Cypress Hill ist unumstritten eine der bedeutendsten HipHop-Bands in der Musikgeschichte.”(Label-Chef Snoop Dogg bei raplounge.de)
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