VÖ: 19.03.10 / Mute / EMI. Wo ein von Wolken überlagertes Frauengesicht drauf ist, ist Pop drin, soviel ist schon mal klar. Mit dieser Einstellung sollte man sich dem neuen Album Head First von Goldfrapp auch nähern, denn was anderes bekommt man nicht. Kristallklarer 80er-Jahre-Electropop vom Allerfeinsten. Wer drauf steht wird sich die Hände reiben, denn Vergleiche mit ABBA und der frühen (nicht der heutigen, beliebig zwischen R&B und House wandelnden) Madonna liegen nahe. Nur knapp über 30 Minuten, verteilt auf 9 Songs, von denen etliche den direkten Weg in den Gehörgang finden. Manchmal allerdings zu glatt oder schon fast langweilig, was die beiden Briten hier auftischen, aber zum Beispiel die Vorab-Single Rocket oder I Wanna Life bergen gehöriges Hitpotential, spätestens im Grum-Remix.
Die anderen: “Head First’s singalong hooks and day-glo synths stand in marked contrast to the unhurried, pastoral sounds of Goldfrapp’s previous album, 2008’s Seventh Tree” (EW Music Mix)
Hypefaktor: Die 80er-Jahre-Retro-Welle ebbt zwar eigentlich schon ab, aber mit diesem Album erwischen Goldfrapp auch noch die resistentesten 80er-Hype-Verweigerer, bevor die 90er dann endgültig zuschlagen. Top-Ten-Alarm!
Jetzt wird’s poppig: Der französische DJ Danger ist Comic- und Videospielfan und nennt seine eigenen Releases gerne mal 4h30 oder 9h20. Allerdings macht er mehr und mehr auch als Remixer von sich reden, zum Beispiel durch die grandiose Neuinterpretation von Divine (Frankreichs Grand Prix-Beitrag von Sebastien Tellier aus dem Jahr 2008), ich empfehle an dieser Stelle aber den etwas aktuelleren Remix des eingängigen All The Right Moves von One Republic.
Heute kommt Fall Hard, die neue Single der Shout Out Louds, in Deutschland in die Läden. Und die ist mal wieder Indie pur: Keine Elektronik-Einflüsse, keine Bratz-Breitseite. Funktioniert natürlich genauso. Aber das kennt man ja auch schon so von dem Schweden-Fünfer. Nur diesmal klingt das Album Work, das am 26. Februar nachgereicht wird, halt etwas mehr nach Arbeit (muahahaha), soundtechnisch bleibt es allerdings größtenteils beim Alten. Auf Fall Hard stört eigentlich nur die etwas banale Hookline »If you fall hard, I fall harder«, ins Ohr schleichen sich die Vocals von Adam Olenius dann trotzdem. Nettes Video auch.
Zugegeben, nicht mehr der frischeste Track, mir ist aber Martin Solveigs Vorgängersingle One 2.3 Four noch gut im Gedächtnis. Und in ähnlichem Sound kommt auch Boys & Girls des französischen DJs daher. Ein äußerst hörenswertes Duett mit catchy Lyrics zu poppigen House-Beats, dabei aber immer ganz weit weg vom 0815-Ballermann-Vocal-House. Das Video dazu ist ebenfalls gelungen: Mit langen Kamerafahrten und schön in schwarz-weiß gehalten. Remixe gibt es natürlich auch: Unter anderem eines von Laidback Luke, und das ist alles andere als »laid back«…
VÖ: 27.11.09 / Island / Universal. Rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit schmeißt Aura Dione ihr Erstlingswerk auf den Markt, ein anderer Zeitpunkt hätte auch wenig Sinn gemacht. Denn die mal mehr (Something From Nothing), mal weniger (Picture Of The Moon) eingängigen Songs der Songwriterin aus Dänemark tröpfeln oft dermaßen langsam vor sich hin, dass man sie wohl nur im Advent ertragen kann. Die etwas schnelleren Lieder (z.B. Stay The Same) haben dann zum Glück durch die hörenswerte Stimme und die schönen Melodien noch einen gewissen Mehrwert. An die Single I Will Love You Monday kommt aber keines der 11 anderen Lieder mehr ran. Was bleibt, ist zuckersüß verpackter Pop, der einem wohl spätestens nach Weihnachten schwer im Magen liegen wird.
Die anderen: “Spielzeug-Klavier, Streicher, Glockenspiel, Flöte, Bläser oder Banjo – die junge Dänin beweist einen Hang zu sonderbarer Instrumentierung. Sonderbar bedeutet dabei nicht immer gleich schlecht.” (laut.de)
Wer nicht genug bekommen kann von La Roux und Little Boots schon nicht mehr hören kann, für den ist Annie genau das richtige. Nach einigen Verzögerungen und Label-Wechsel wurde ihr zweites Album Don’t Stop jetzt endlich veröffentlicht. Der derzeit durch die Blogosphäre geisternde Song I Don’t Like Your Band daraus sowie zwei weitere Tracks des Albums wurden von niemand geringerem als Paul Epworth produziert, der u.a. schon für Hits und Remixe von Bloc Party, Friendly Fires, Florence and the Machine oder Maxïmo Park gesorgt hat. Auch hier hat er wieder ganze Arbeit geleistet, und Annies wunderbare Vocals machen den eingängigen Electro-Pop-Song perfekt.
VÖ: 27.11.09 / Audiolith. Audiolith, die Zweite: Nach Supershirt kommen demnächst Juri Gagarin mit neuem Album um den Mond. Dazu holten sie sich kurzerhand die Sängerin Flicke mit ins Boot (schon gehört auf Supermarkt und zuletzt auf Give Or Take), und das tut dem Duo verdammt gut. Nicht dass sie ohne female Vocals schlecht gewesen wären, aber sie hebt die beiden auf das nächste Level. So nähern sich Juri Gagarin vorsichtig dem Pop, ohne dabei dem Technopunk die kalte Schulter zu zeigen, denn die typischen Beats sind geblieben. Und spätestens bei Take Over mit Bratze hält einen nichts mehr auf dem Sofa. Diese Platte ist pure Energie und selbst ohne Gesang (auf Buran) wird gerockt als gäbe es kein Morgen. Einen kostenlosen Remix der Vorab-Single Wet Dreams gibt es unten, auch als Download.
Die anderen:“Schwielige Arbeiterhände brannten sie auf reflektierende Scheiben: 12 Track die schnell sind und kicken in guter alter bratziger Technomanier!”(subculture)
VÖ: 30.10.09 / N.E.W.S. / Rough Trade. Hier ist der Name Programm: Das Pop liefern mit ihrem selbstbetiteltem Album Das Pop ein Pop-Album ab, das den Namen auch wirklich verdient. Eingängiger Gesang (vor allem bei den teilweise schon bekannten Underground, Never Get Enough und dem grandiosen Fool For Love), keinerlei elektronische Schnörkel (obwohl das Album von Soulwax produziert wurde) und durchwegs mit echten Instrumenten eingespielt. Wer Pop mag, liegt hier goldrichtig, mir jedoch ist das Ganze dann doch einen Tick zu seicht, denn außer den drei oben erwähnten Songs sticht zu wenig heraus. Das überaus gelungene Artwork verdient an dieser Stelle aber dennoch eine Erwähnung.
Die anderen:“Das Pop setzt auf schöne Geschichten, in poppige Sanftmut gehüllt und musikalisch vielfältig ausgeführt. Seit ein neuer Drummer an Bord ist, blüht Erzähler Bent zudem als charismatischer Full-Time-Frontmann endlich voll und ganz auf.”(laut.de)
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