VÖ: 06.04.10 / Priority / EMI. Als Sido am Prenzlauer Berg mit seinen kleinen Kinderhändchen noch an seiner Totenkopfmaske gehäkelt hat, hatten Cypress Hill bereits der gesamten Westcoast das Fürchten gelehrt. In den letzten Jahren war es allerdings merkwürdig ruhig um die Jungs geworden. Kein Wunder: 36 Monate hatte sich die Latino-Crew im Studio verschanzt, um am neuen Album zu werkeln. Jetzt erscheint Rise Up und macht jede Menge Bock. Ohne musikalische Scheuklappen samplen sich die Hillers durch die Genres, grooven auf K.U.S.H., reimen als Trouble Seeker auf einem fetten Gitarrenriff und locken Armed And Dangerous so manche Soul-Lady auf ihren Zypressenhügel. Einen Exkurs in die gute alte Zeit des Crossovers gibt es mit dem Titeltrack obendrauf – unter fachkundiger Reiseleitung von RATM-Gitarrist Tom Morello.
Die anderen:“Daher bin ich überglücklich, mein erstes Signing mit Cypress Hill bekannt zu geben. Cypress Hill ist unumstritten eine der bedeutendsten HipHop-Bands in der Musikgeschichte.”(Label-Chef Snoop Dogg bei raplounge.de)
VÖ: 29.01.10 / EMI. Mit einer heißen Clubnacht geben sich Hot Chip längst nicht mehr zufrieden. Die Jungs wollen nicht mehr und nicht weniger als den One Life Stand. Da genügt es nicht, einfach zacki-zacki ein paar Beats raus zu hauen, da ist Romantik gefragt. Das wissen die Londoner und präsentieren sich auf ihrem vierten Album ziemlich soulig und weniger verquer. Den richtigen Ton trifft dabei stets Alexis Taylor, der selbst das gospelhafte Slush nicht zur Peinlichkeit verkommen lässt. Für Tanzwütige empfehle ich allerdings I Feel Better, Thieves In The Night oder We Have Love in bester Achtziger-Disco-Manier – mit jeder Menge Remix-Potenzial.
Die anderen: ” … haben wieder eine ganze Handvoll reinrassiger Hot-Chip-Tanzwüter im Gepäck, die einen vehement von der Theke ins Getümmel unter der Diskokugel zerren. Eine Band für Singles eben.” (auftouren.de)
VÖ: erhältlich / Proper Records / Rough Trade. Die härtesten Grunger werden ruhiger, wenn es auf die Rente zugeht. Art Alexakis bildet da keine Ausnahme. Mit seinen 47 Jahren kleidet der geniale Songwriter die besten Werke seiner in den Neunzigern gefeierten Combo Everclear in ein relaxtes Soundgewand. Im Mittelpunkt stehen nun Akustik-Klampfen und Keyboard-Klänge statt Stromgitarren. Wer allerdings müden Kuschelrock befürchtet, darf aufatmen: Die Neuinterpretationen haben genug Energie, um für Ärger mit den lärmempfindlichen Nachbarn zu sorgen. Den riskieren wir gerne, zumal uns die fünf Musiker dafür mit fantastischen Melodien entschädigen, die sich wie warme Sonnenstrahlen im ganzen Körper ausbreiten. Zurück bleibt jede Menge Lebensfreude und die Erkenntnis, dass Grunge selten so fröhlich klang.
Die anderen:“Zum ersten Mal seit Jahren interessiert mich wirklich, was Everclear wohl als nächstes tun werden.”(Mediametric.wordpress.com)
VÖ: 27.11.09 / Island / Universal. Rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit schmeißt Aura Dione ihr Erstlingswerk auf den Markt, ein anderer Zeitpunkt hätte auch wenig Sinn gemacht. Denn die mal mehr (Something From Nothing), mal weniger (Picture Of The Moon) eingängigen Songs der Songwriterin aus Dänemark tröpfeln oft dermaßen langsam vor sich hin, dass man sie wohl nur im Advent ertragen kann. Die etwas schnelleren Lieder (z.B. Stay The Same) haben dann zum Glück durch die hörenswerte Stimme und die schönen Melodien noch einen gewissen Mehrwert. An die Single I Will Love You Monday kommt aber keines der 11 anderen Lieder mehr ran. Was bleibt, ist zuckersüß verpackter Pop, der einem wohl spätestens nach Weihnachten schwer im Magen liegen wird.
Die anderen: “Spielzeug-Klavier, Streicher, Glockenspiel, Flöte, Bläser oder Banjo – die junge Dänin beweist einen Hang zu sonderbarer Instrumentierung. Sonderbar bedeutet dabei nicht immer gleich schlecht.” (laut.de)
VÖ: 15.01.10 / Ninja Tune / Rough Trade. Nicht alle Rapper ziehen eine Furcht einflößende Gangster-Fresse. Im Gesicht von Blockhead, bürgerlich Anthony Simon, macht sich meist ein Lächeln breit. Muss so sein, schließlich gehört der New Yorker zur Hiphop-Comedy-Gang Party Fun Action. Keinen Spaß versteht der Mann allerdings, wenn es um die Komplexität seiner Instrumental-Songs geht: Anspruchsvolle Soundgeflechte aus unterschiedlichen Beats, atmosphärisch und experimentell. Blockhead schreckt selbst vor Flötensoli und Sitar-Klängen nicht zurück, und serviert eine smoothe, häufig psychedelisch anmutende Downtempo-Rille. An Seele fehlt es The Music Scene zweifelsohne nicht. Trotzdem plätschern die zwölf Songs zwischen DJ Shadow und RJD2 wie die Musik im Fahrstuhl irgendwie an mir vorbei. Vielleicht vermisse ich doch ein paar kriminelle Rhymes …
Die anderen:“Blockhead weiß, was er gut kann und steckt all das in The Music Scene.”(Potholeisinmyblog.com)
VÖ: 27.11.09 / Island / Universal. Jetzt also die Best Of: Acht Jahre und fünf Alben nach ihrer Gründung packen uns Fall Out Boy ein Päckchen mit ihren größten Hits. Vom frühen Dead On Arrival bis hin zu America’s Suitehearts reihen die Schwiegermama-Punks Stadionhymne an Mitgröl-Nummer. Streng chronologisch natürlich, damit auch der einfältigste Fan nicht durcheinander gerät. Wobei: schlimm wäre das nicht. Believers Never Die klingt mit seinen überproduzierten Mainstream-Melodien wie ein einziger langer Track. Kreuzbraver Emo-Powerpop mit blitzsauberen Riffs und einem Sänger, der gerne mal die Oktav-Etage wechselt. Das hören amerikanische College-Girls, wenn sie auf der Studiparty mal richtig einen drauf machen und nach fünf Minuten wildem Herumtollen ihren Mageninhalt in die Wanne reihern. Sollten sich Fall Out Boy jemals wieder in ein Studio verirren: Macht’s uns doch bitteschön mal ein bisschen dreckiger, Jungs.
VÖ: 29.01.10 / Rookie Records / Cargo.Lauf!Lauf! fordern Genepool und liefern mit ihrer neuen Scheibe gleich den passenden Soundtrack zu einem flinken Spurt. Gingen die Kölner in der Vergangenheit noch glatt als Misfits-Coverband durch, erweitern sie ihren Sound nun um einige feine Chromosomen aus dem Genschatz des New Wave: Hier ein Hautfetzen Devo, dort ein Äderchen Wire oder Gang Of Four. Die so entstandene Klang-Kreatur hört auf den Namen Wave-Punk und präsentiert sich hymnisch und eingängig. Für die nötige Abwechslung sorgen Bläsereinsätze bei She-Bot oder ein zackiger Up-Beat bei The Maggots. Nur um dann die genetische Ähnlichkeit zu den eingangs erwähnten Horrorpunks doch wieder durch blitzen zu lassen, etwa beim treibenden Solar Life. Gefällt mir.
VÖ: 13.11.09 / Sony. Ein Album für die alternative Menschheit, drei kredible Rockstars, sie alle zu knechten: John Paul Jones (Led Zeppelin), Dave Grohl (Foo Fighters) und Josh Homme (Queens Of The Stone Age) formieren sich zu einer Rock-Supergroup und blasen ohne Rücksicht auf Hörverluste einen schrägen Rocksong nach dem anderen aus den Speakers. Dabei bleiben die Nummern immer hart an der hörbaren Grenze: Einerseits verspielt und einigermaßen eingängig, dann aber sofort wieder von Breaks und Queens of the Stone Age-artigen Verquereleien durchzogen. Das Motto „skilled music for skilled listeners“ ist allseits präsent. Wer dem Album Zeit gibt, sich zu entwickeln, wird mit einem herausragenden Alternative-Rock-Erlebnis belohnt. Alle anderen werden viele Fragezeichen über dem Kopf haben. Normal ist anders. Gut so!
Die anderen:“Es ist also kein, wie angepriesen, Album für die breite Masse, sondern eher für den fortgeschrittenen Rock-Hörer angelegt, und auch der wird einige Durchläufe brauchen, bis er das Schätzchen zu würdigen weiss. Wer sich so angesprochen fühlt, sollte sich unbedingt ranwagen.”(triggerfish.de)
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