Tag Archive for 'cd-kritik'

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Bratze: Korrektur Nach Unten

Bratze_KorrekturNachUntenVÖ: 19.03.10 / Audiolith / Broken Silence. Bratze sind zurück und machen da weiter, wo sie mit dem 2007er Album Kraft (schon wieder 3 Jahre her, hätte ich jetzt nicht gedacht) aufgehört haben. Und dass es in der symbiotischen Zusammenarbeit zwischen dem Elektro-Soundtüftler Der Tante Renate und dem Indie-Chanteur Clickclickdecker noch Luft nach oben gab, zeigt jetzt der neue Longplayer Korrektur Nach Unten Und Die Notwendigkeit Einer Übersetzung. Hier treffen intelligente Texte auf fette Beats, und das geht in Zeiten von Electro-Schlagersongs und »Dingalingaling«-Texten runter wie Öl. Und nimmt den lauter werdenden Stimmen der Audiolith-Kritiker selbiges aus dem Feuer (oder so ähnlich). Es geht eben auch intellektuell beim Hamburger Party-Label. Nicht ohne Abfeiern, aber wenigstens mit Stil. Das zeigt auch das selbstironische Low-Budget-Video zur Single mit dem wunderbaren Titel Ohne Das Ist Es Nur Noch Laut.
bewertung_4

Die anderen: Haben bisher noch nichts zu sagen.

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Cypress Hill: Rise Up

cypress_hill_coverVÖ: 06.04.10 / Priority / EMI. Als Sido am Prenzlauer Berg mit seinen kleinen Kinderhändchen noch an seiner Totenkopfmaske gehäkelt hat, hatten Cypress Hill bereits der gesamten Westcoast das Fürchten gelehrt. In den letzten Jahren war es allerdings merkwürdig ruhig um die Jungs geworden. Kein Wunder: 36 Monate hatte sich die Latino-Crew im Studio verschanzt, um am neuen Album zu werkeln. Jetzt erscheint Rise Up und macht jede Menge Bock. Ohne musikalische Scheuklappen samplen sich die Hillers durch die Genres, grooven auf K.U.S.H., reimen als Trouble Seeker auf einem fetten Gitarrenriff und locken Armed And Dangerous so manche Soul-Lady auf ihren Zypressenhügel. Einen Exkurs in die gute alte Zeit des Crossovers gibt es mit dem Titeltrack obendrauf – unter fachkundiger Reiseleitung von RATM-Gitarrist Tom Morello.
bewertung_4

Die anderen: “Daher bin ich ĂĽberglĂĽcklich, mein erstes Signing mit Cypress Hill bekannt zu geben. Cypress Hill ist unumstritten eine der bedeutendsten HipHop-Bands in der Musikgeschichte.” (Label-Chef Snoop Dogg bei raplounge.de)

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Two Door Cinema Club: Tourist History

TwoDoorCinemaClub_TouristHistoryVÖ: 05.03.10 / Cooperative Music / Universal. Als ich im November über die Single I Can Talk berichtet habe, hatte ich mir in etwa dieses Album dazu vorgestellt. Also haben die Jungs vom Two Door Cinema Club so ziemlich alles richtig gemacht. Gerade die Tracks Do You Want It All? und Undercover Martyn stehen der ersten Single in nichts nach, und auch ansonsten hat das Album einiges zu bieten. Die drei Iren verstehen es nämlich gekonnt, Einflüsse aus Indie, Elektronik und Afrobeat zu mischen (Ein Vergleich mit Foals liegt nahe), und so ergibt sich aus dem Ganzen mehr als die berühmte Summe der einzelnen Teile. Ein durchwegs gelungenes Album also, einziger Wehrmutstropfen: Die Spieldauer von einer guten halben Stunde lässt schon zu wünschen übrig.
bewertung_5

Die anderen: “Auch die letzen drei Tracks des Albums können das Niveau halten, was zur erfreulichen Bilanz fĂĽhrt, dass sich auf Tourist History kein einziger schlechter Song findet.” (Musiktip)

hypefaktor_hochHypefaktor: Ohne mich dabei weit aus dem Fenster zu lehnen, das ist schon mal der erste Anwärter auf das (Hype-)Album des Jahres. Und das auch wirklich verdient. Punkt.

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Und weils gar so schön ist, gibt es gleich noch einen zweiten Song obendrauf (bzw. untendrunter):

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OK Go: Of The Blue Colour Of The Sky

ok go _ album artworkVĂ–: 19.02.10 / EMI. Da werden andere gelb vor Neid: OK Go’s Musikvideo zu ihrem Hit Here It Goes Again wurde bereits bei den Simpsons persifliert. Damit gehört der Clip, in dem sich die Band auf Laufbändern quält, zum amerikanischen Kulturschatz. SpaĂźige Filmchen sind allerdings nicht alles, was die Jungs drauf haben. Ihr drittes Album steckt voll fantastischer Melodien, Genremauern zerbersten in Schutt und Asche. Mal huldigt das Quartett mit groovy Gitarrenspiel dem GroĂźmeister des Eros-Funk Prince, dann flĂĽchtet es sich in verträumte Popballaden. Mit Needing / Getting servieren sie gar eine feine Country-Hook, bei der selbst ich als hartgesottener Westernmucke-Hasser zum Cowboyhut greife. Nur stellenweise macht sich ein klein wenig Ă–de breit – bei einigen Balladen.
bewertung_4

Die anderen: “Es ist wirklich nicht auszumachen, welche Richtung OK Go in näherer Zukunft einschlagen werden. Sie scheinen aber (…) auf dem besten Weg zur genrefreien Band zu sein.” (whitetapes.de)

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Groove Armada: Black Light

Groove Armada_CoverVĂ–: 26.02.10 / Cooking Vinyl / Indigo. Eine feine Platte haben die SoundtĂĽftler Andy Cato und Tom Findlay da aus dem Mischpult gezaubert: Black Light ist der eindrucksvolle Beweis, dass die Groove Armada gut 15 Jahre nach GrĂĽndung noch immer in Bewegung ist. Diesmal verlassen die Briten den knarzenden House- und Big-Beat-Dancefloor und kuscheln sich auf einen riesigen Klangteppich aus Synth-Pop. Der sorgt fĂĽr wohlig-warmes Achtziger-Feeling, ohne auch nur einen Takt abgewetzt zu wirken. Bestes Beispiel dafĂĽr ist das emotionale I Won’t Kneel - Elektropop in Perfektion. Warsaw hingegen entpuppt sich als energiegeladener Riese, der kraftvoll und entschlossen nach vorne marschiert. Das Schritttempo ist dabei ziemlich low; wer so mächtig ist, kennt keine Eile. Auch ihr solltet reichlich Zeit fĂĽr das Album einplanen: Black Light wächst mit jedem Hördurchgang. Hat mich schwer ĂĽberzeugt …
bewertung_5

Die anderen: “Wenn du ein echter Groove-Armada-Fan bist, wirst du Black Light lieben oder hassen. Ich bezweifle, dass es etwas dazwischen geben wird.” (urb.com)

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Goldfrapp: Head First

goldfrapp_headfirstVÖ: 19.03.10 / Mute / EMI. Wo ein von Wolken überlagertes Frauengesicht drauf ist, ist Pop drin, soviel ist schon mal klar. Mit dieser Einstellung sollte man sich dem neuen Album Head First von Goldfrapp auch nähern, denn was anderes bekommt man nicht. Kristallklarer 80er-Jahre-Electropop vom Allerfeinsten. Wer drauf steht wird sich die Hände reiben, denn Vergleiche mit ABBA und der frühen (nicht der heutigen, beliebig zwischen R&B und House wandelnden) Madonna liegen nahe. Nur knapp über 30 Minuten, verteilt auf 9 Songs, von denen etliche den direkten Weg in den Gehörgang finden. Manchmal allerdings zu glatt oder schon fast langweilig, was die beiden Briten hier auftischen, aber zum Beispiel die Vorab-Single Rocket oder I Wanna Life bergen gehöriges Hitpotential, spätestens im Grum-Remix.
bewertung_2

Die anderen:Head First’s singalong hooks and day-glo synths stand in marked contrast to the unhurried, pastoral sounds of Goldfrapp’s previous album, 2008’s Seventh Tree(EW Music Mix)

hypefaktor_hochHypefaktor: Die 80er-Jahre-Retro-Welle ebbt zwar eigentlich schon ab, aber mit diesem Album erwischen Goldfrapp auch noch die resistentesten 80er-Hype-Verweigerer, bevor die 90er dann endgĂĽltig zuschlagen. Top-Ten-Alarm!

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Delphic: Acolyte

delphic_acolyteVÖ: 29.01.10 / Cooperative Music / Universal. Delphic kündigten mit ihren zwei Singles Counterpoint und This Momentary letztes Jahr schon etwas Großes an, seit Anfang Januar ist die dritte Single Doubt draußen, die den Vorgängern wieder in Nichts nachsteht, plus Remix-Irrsinn. Ende Januar kommt jetzt also der Longplayer Acolyte der drei Jungs aus der Musikstadt Manchester. Darauf mischen sie gekonnt Gitarrenmusik mit elektronischen Elementen. Nichts phänomenal Neues, muss aber auch nicht. Ein paar kleine Durchhänger, wenn es dann etwas sphärischer wird, aber verstecken müssen sich Delphic mit ihrem Debüt nicht. Selbstbewusst treten sie in die Fußstapfen der großen Bands aus Manchester wie Joy Division oder New Order. Und wer sich auf der Band-Homepage registriert, bekommt 4 Songs geschenkt.
bewertung_3

Die anderen:Acolyte ist zu saftlos fĂĽr den Rave, aber auch zu hibbelig fĂĽr den Chillout danach. Nichts Halbes und nichts Ganzes.” (plattentests.de)

hypefaktor_hochHypefaktor: Müsste eigentlich der neue Scheiß werden, die nächste Single ist mit Halcyon schon im Anschlag, und bei denen lagen Delphic bisher ja goldrichtig. Und selbst die langatmigeren Album-Tracks (hier auch öfter mal jenseits der 5 Minuten) sind ja spätestens seit The XX absolut en vogue.

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Hot Chip: One Life Stand

hot_chip_coverVÖ: 29.01.10 / EMI. Mit einer heißen Clubnacht geben sich Hot Chip längst nicht mehr zufrieden. Die Jungs wollen nicht mehr und nicht weniger als den One Life Stand. Da genügt es nicht, einfach zacki-zacki ein paar Beats raus zu hauen, da ist Romantik gefragt. Das wissen die Londoner und präsentieren sich auf ihrem vierten Album ziemlich soulig und weniger verquer. Den richtigen Ton trifft dabei stets Alexis Taylor, der selbst das gospelhafte Slush nicht zur Peinlichkeit verkommen lässt. Für Tanzwütige empfehle ich allerdings I Feel Better, Thieves In The Night oder We Have Love in bester Achtziger-Disco-Manier – mit jeder Menge Remix-Potenzial.
bewertung_4

Die anderen:… haben wieder eine ganze Handvoll reinrassiger Hot-Chip-TanzwĂĽter im Gepäck, die einen vehement von der Theke ins GetĂĽmmel unter der Diskokugel zerren. Eine Band fĂĽr Singles eben.(auftouren.de)

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