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Lieblinge

Lieblinge: Juli 2010

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Da hat es uns aber schwer erwischt, das Sommerloch. Ganz fies hat es sich allmählich ausgebreitet und uns dann hinterrücks überfallen. Nur für kurze Zeit konnten wir ihm entrinnen und uns mit Mühe und Not aufs Melt! retten, danach hat es uns wieder voll vereinnahmt. Nichtsdestotrotz hat es noch zu ein paar Favoriten gereicht, die wir jetzt hier umso stolzer präsentieren.

Lieblinge des Monats Juli:

1. Ira Atari & Rampue Dance In The Rain
2. Hurts Better Than Love
3. Crystal Castles Baptism
4. Medina You And I (Gooseflesh Remix)
5. N*E*R*D Hot-N-Fun (Boys Noize Remix)

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Medina: You And I (Gooseflesh Remix)

Natürlich viel zu spät dran, um als Geheimtipp durchzugehen, ist You And I von der Dänin Medina doch mittlerweile auch in den deutschen Top10 angekommen, nachdem der Song schon 2008 auf dänisch (Kun For Mig) für Furore gesorgt hatte. Der Track ist ja auch extrem poppig und massentauglich ausgerichtet. Nicht ganz so mainstreamig kommt allerdings der Gooseflesh-Remix von You And I daher, der ordentlich Wumms mitbringt. Und wen es interessiert: Dieser Tage ist auch das internationale Album Welcome To Medina in Deutschland erschienen.

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Live

Melt! 2010: Du hast da Glitzer am Auge … (Teil 3)

Zurück in der guten alten bajuwarischen Heimat erholen wir uns gerade von den Strapazen des diesjährigen Melt!-Festivals. Was uns so geschlaucht hat? Lest selbst in unserem dreiteiligen Erlebnisbericht – der erste seit der dritten Klasse!

Absolut familientauglich hingegen Goldfrapp. Sängerin Alison strahlt wie eine Mensch gewordene Discokugel – noch heller als der kollektive Gesichtsglitter der ersten Reihen vor der Bühne. Mit ihrem harmlosen Elektroschlager bleibt sie entgegen den Gepflogenheiten des Schunkel-Biz merkwürdig distanziert zur Fanschar. Es darf gemunkelt werden: Hatte Madame am frühen Morgen möglicherweise bereits einen Auftritt im ZDF-Fernsehgarten und ist davon noch etwas schlapp?

Jegliches Gespür für ein angenehmes Maß menschlicher Distanz (etwa 20 bis 30 Zentimeter) lässt hingegen Damian Abraham missen. Die Front-Maschine der Toronto-Hardcore-Combo Fucked Up verweist auf die Sinnlosigkeit einer Bühne und wandert während des gesamten Gigs quer durch die Audienz – von links nach rechts, von vorne nach hinten. Niemand im Intro-Zelt entrinnt den Annäherungsversuchen des behaarten Riesen und stellt nach einer kurzen Schrecksekunde erleichtert fest: Der will doch nur spielen! Tatsächlich wirkt Abraham bei näherer Betrachtung grundsympathisch, was zu spontanen Umarmungsszenen und gemeinsamem Posieren für Erinnerungsfotos führt. Wahrlich eine große Show.

Die beherrscht auch Fake Blood, der sich als Remixer einen Namen gemacht hat. Besonders zu empfehlen: Die peitschende Neuversion von Gossips Love Long Distance, die der Brite ausgerechnet für das Melt! nicht ins Plattenköfferchen gesteckt hat. Oder ihm fehlte schlichtweg die Zeit, die Scheibe auszupacken: Fake Bloods Set fiel eine gute halbe Stunde kürzer aus, als im Programm angegeben – was die tanzende Meute offensichtlich stark bedauerte. Dennoch: Es war ein gelungenes Melt!, ausverkauft und sonnenverwöhnt, friedlich und unterhaltsam. Nur unseren Pavillon haben wir schmerzlich vermisst.

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(Foto: Melt! / Phillip Bockhorn)

Live

Melt! 2010: Du hast da Glitzer am Auge … (Teil 2)

Zurück in der guten alten bajuwarischen Heimat erholen wir uns gerade von den Strapazen des diesjährigen Melt!-Festivals. Was uns so geschlaucht hat? Lest selbst in unserem dreiteiligen Erlebnisbericht – der erste seit der dritten Klasse! Heute mit Teil 2 …

Auf der Nebenbühne wandelt Kelé Okereke auf Solopfaden. Der Bloc-Party-Frontmann wirkt ohne seine Band wie befreit, lässt das progressiv-verkopfte Songwriting hinter sich. Stattdessen: Treibende Dance-Beats. Das feierwütige Publikum dankt es ihm mit beeindruckendem Ausdruckstanz.

Mehr als beeindruckend ist, was Dendemann abliefert. Der Hamburger Jung, einst bessere Hälfe des Hip-Hop-Duos Eins Zwo, schleudert aus der Öffnung zwischen Schnauzbart und Goldkette die aberwitzigsten Wortspiele im Sekundentakt. Man muss Hip Hop nicht mögen, um Dende zu lieben. Wer könnte dem charmanten Reimer mit Jeansweste und Vokuhila auch wiederstehen? Auf dem Melt! nur wenige. Sie verabschiedet der Norddeutsche mit einem weltmännischen „Au reservoir“.

Kaum haben sich die ersten vom Mode-Albtraum Dendemann halbwegs erholt, bricht neues Grauen ungeahnten Ausmaßes über sie herein. Chris Cunningham, Videokünstler und Visualisierer der Klänge aus dem Hause Aphex Twin, versteckt sich irgendwo auf der Bühne (vermutlich) und projiziert seine grimmigen Visionen auf drei Leinwände: atmende Körper in unberuhigender Finsternis, ein Embryo im Rollstuhl, allerlei wirrer wie faszinierender Kram. Das geht manchem Festival-Gast an die Substanz: Ein Mädchen bricht vor der Toilette in Tränen aus und beteuert „so etwas“ noch nie gesehen zu haben. Ähnliche Gesprächsfetzen auf dem Camping-Platz am Morgen danach: „Also ich steh’ ja auf kranke Scheiße, aber das war mir echt zu krass“ – „Stell dir vor, da wäre ein Kind im Publikum gewesen“. Eher unwahrscheinlich.

Teil 3 folgt …

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(Foto: Melt! / Philipp Böll)

Live

Melt! 2010: Du hast da Glitzer am Auge … (Teil 1)

Zurück in der guten alten bajuwarischen Heimat erholen wir uns gerade von den Strapazen des diesjährigen Melt!-Festivals. Was uns so geschlaucht hat? Lest selbst in unserem dreiteiligen Erlebnisbericht – der erste seit der dritten Klasse!

Melt! extrem: Bei tropischen Temperaturen und einer erbarmungslos stechenden Sonne hätte unser schicker Pavillon sicher einen prima Schattenspender abgegeben. Wenn ihn der Orkan, der im letzten Jahr über das Festival-Gelände tobte, nicht in 1000 Fetzen gerissen hätte. Schade darum, aber auch egal, denn: Was ein echter Melt!-Jünger ist, dem können schlappe 35 Grad nix anhaben.

Rote Lippen, güldene Äuglein, Glitzer an der Backe – den Errungenschaften der Kosmetik-Industrie kann selbst literweise Schweiß nicht zu Leibe rücken. Wer von derlei Schmuckwerk keinen Schimmer hat, sollte einen Blick ins kostenlose Festival-Heftchen werfen. Das verrät beispielsweise, dass Biker-Boots „in“ und New-Rave-Brillen „out“ sind. Beides haben wir nicht dabei, was die Chancen als „neutral“ durchzugehen erhöhen dürfte. Vielleicht ruiniert das 13 Jahre alte Black-Flag-Shirt aber auch alles.

Hurts indes sind modisch über jeglichen Zweifel erhaben. Die piekfeine Combo aus Manchester hat Knigge und Vogue studiert und erstrahlt mit makelloser Haut in perfekt sitzenden Anzügen. Nicht nur optisch denken wir an Heaven 17, jene Yuppie-Waver der Achziger, deren Ironie kein Mensch verstehen wollte/konnte. Nicht die schlechteste Referenz, zumal Hurts mit ihrem perfekten Elektropop inklusive klassischen Gesangselementen für Atmosphäre sorgen.

Schicker sind auch Tocotronic geworden, die die alten Adidas-Leibchen spätestens Ende der Neunziger gegen Hemden eingetauscht haben. Vergessen sind die alten Zeiten jedoch nicht. Dirk von Lowtzow verkündet von „Drüben auf dem Hügel“: „Let There Be Rock“. Überzeugend, spielfreudig, immer noch packend.

Teil 2 folgt …

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(Foto: Melt! / Tobias Vollmer)

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Hurts: Better Than Love

Hurts legen einen drauf: Die zweite Single Better Than Love der Jungs aus Manchester steht dem Erstling Wonderful Life in nichts nach. Diesmal nicht mehr ganz so ruhig, aber genauso eingängig und wieder mit enormen Hitpotential. Und das Beste zum Schluss: Den Song gibt es immer noch als freien Download auf der Band-Homepage, wenn man sich für den Newsletter anmeldet. Das macht Lust auf mehr und das warten auf das Album, das Ende August erscheinen soll, wird sich hoffentlich lohnen.

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hypefaktor_hochHypefaktor: Nachdem Wonderful Life mittlerweile schon der Frühstückstipp eines regionalen Radiosender war, wird Better Than Love mindestens die Welt erobern.

News

Hypehunters: Unterwegs auf dem Melt!

Dieses Wochenende treiben sich die Hypehunters auf dem Melt! Festival herum, deshalb gibt es hier eine kurze Pause. Vielleicht findet sich der ein oder andere von euch sowieso auch auf dem Ferropolis-Gelände ein, wo sich dieses Jahr wieder die Crème de la Crème der Indie/Electroszene die Klinke in die Hand gibt. Deutschlands bestes Festival ruft!

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Reviews

Ira Atari & Rampue: Just Fu**in Dance It EP

robynVÖ: bereits erhältlich / Audiolith / Broken Silence. Dass es auch härter geht, haben Ira Atari & Rampue schon bewiesen, zum Beispiel auf ihrer Hammer-Debüt-Single My Name Is Ira oder zuletzt in Schallgeschwindigkeit bei Space Rocket. Dashalb werden jetzt auf der Just Fu**in Dance It EP auch mal die leiseren Töne angeschlagen, nur um auf dem Großteil der 6 Tracks (Auf der CD-Version der EP gibt es nochmal 5 Songs obendrauf) wieder in die Vollen zu gehen. Aber gerade der gediegenere Sound steht dem Duo sehr gut zu Gesicht, mit dem Song Dance In The Rain ist den beiden ein ganz großes Stück Pop gelungen, Ohrwurmpotential inklusive. Tanzen kann man dazu natürlich ebenfalls, und das auch bei Sonnenschein und 35 Grad im Schatten.
bewertung_4

Die anderen: “Rampue bastelt mitreißende Beats zusammen und Ira singt mit ihrer gewohnt frechen Stimme die passenden Zeilen dazu. Alles in allem haben Ira Atari & Rampue mit dieser EP ein weiteres Mal unter Beweis gestellt, wo ihre Stärke als Duo liegt und machen Lust auf ein vollständiges Album.” (mainstage.de)

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