April, April, der macht, was er will. So eine richtige Anarcho-Sau, der April. Der lässt sich nix sagen: Strahlender Sonnenschein und jubilierende Vögelchen am Karfreitag – na und? Drei Grad Celsius zur Biergarteneröffnung – wen juckt’s? Das ist eben Punk-Rock! Da schneiden wir uns gerne ´ne Scheibe ab vom antiautoritärsten aller Monate und präsentieren frei heraus, nur dem Maßstab unseres individuellen Gustos geschuldet, die Hits der letzten vier Wochen.
Oh Shit! Armand Van Helden macht unter dem Pseudonym Duck Sauce gemeinsame Sache mit A-Trak. Damit ist eigentlich alles gesagt. Kann solch ein namhaftes Klang-Kollektiv scheitern? Nicht, wenn sie in Zukunft das Niveau ihres ersten Babys Barbara Streisand halten. Das Teil groovt unwiderstehlich durch die 70er-Jahre-Disco – und erinnert mich dabei tierisch an das Intro einer Fernsehserie aus meiner Jugend. Dummerweise fällt mir ums Verrecken nicht mehr ein, welche das war. Sachdienliche Hinweise werden von mir angemessen belohnt. Also her damit …
VÖ: 28.05.10 / Moshi Moshi / Roughtrade. Die Zeiten der Konzeptalben sind vorbei. Die Generation iTunes lädt Singles – brutal rausgerissen aus dem Gesamtkontext des Longplayers. Aber halt mal – deswegen gleich den Kulturpessimisten mimen? Hat ja auch sein Gutes. So hat sich das Londoner Label Moshi Moshi bei seiner Gründung 1998 aus purer Geldnot der Veröffentlichung einzelner Songs gewidmet und damit am Puls der Zeit einen steilen Aufstieg hingelegt. Zwischenzeitlich beherbergte die angesagte Plattenschmiede namhafte Acts wie Hot Chip, The Rakes oder Friendly Fires – Indie supreme. Einen abwechslungsreichen Überblick über das aktuelle Schaffen der Labelmacher bietet die Compilation Moshi Moshi Singles Club 2. Darauf tummeln sich feine Hits von Florence And The Machine, The Drums oder den Casiokids. Insgesamt 14 Nummern zwischen Elektro-Ekstase und Gitarren-Geschrammel – mit erfreulich wenig Füllmaterial, trotz des breiten Spektrums.
Die anderen:“Dieses wirklich abwechslungsreiche Album nimmt dich mit auf eine Achterbahnfahrt durch das Beste aus dem Moshi Moshi Singles Club – du wirst jeden Song genießen.”(Poppedmusic.co.uk)
Okay, Horny ist nicht gerade die musikalische Ausgeburt der Vielfalt. Das Teil lebt im Grunde von einer einzigen Hook. Aber die ist schlicht unwiderstehlich. Und zack, spätestens nach der Hälfte des Songs und der 500sten Wiederholung der Beatfolge sitzt das Teil im Ohr, will nicht mehr raus und lässt sich allenfalls mit Gewalt bis ins Tanzbein befördern. Übrigens: Geht’s Noch? stammen ebenfalls aus Belgien, von wo uns zurzeit nur geiler Kram erreicht. Stromae zum Beispiel.
VÖ: 09.04.10 / Columbia / Sony. Mit ihrem Debüt surften MGMT vor drei Jahren auf einer riesigen Erfolgswelle direkt in die Bestenlisten der Musikkritiker und Fans. Jetzt erscheint die richtungsweisende zweite Platte mit dem obersten Gebot: Nur keinen Bauchklatscher hinlegen. Den vermeiden die Brooklyner gekonnt und verlassen zudem noch ihr gewohntes Fahrwasser: Andrew Vanwyngarden und Ben Goldwasser entdecken die Surfgitarre und servieren psychedelische Pop-Perlen zwischen Beach Boys und frühem Bowie. Während Brian Eno als lässige Lo-Fi-Garagennummer durchgeht, reist das epische Siberian Breaks in satten zwölf Minuten von den späten Sechzigern in die synthielastigen Achtziger. Weniger Hype als beim Erstling, aber durchaus gute Haltungsnoten für das Duo.
Die anderen:“Man kommt nicht umhin, den Wagemut von MGMT anzuerkennen, so offensichtlich gegen den Strich zu bürsten.”(Ohfancy.de)
Unterschätze niemals deine Nachbarn in Benelux! Belgien zeigt wie’s geht und beschert uns das nächste große Ding nach Soulwax, 2 Many DJs und Tim und Struppi: Stromae. Der Brüsseler hat mit seinem Mega-Ohrwurm Alors On Danse aus dem Stand die Chartspitzen in Deutschland und Belgien erobert. Kein Wunder, das Teil kriegt man einfach nicht mehr aus den Gehörgängen – es sei denn, man vertreibt’s mit Gewalt. Wir empfehlen hierfür Mr. Penismans krachenden Remix, der das Original um große Teile seiner Melodie reduziert. Wohl bekomm’s.
Cooler Couleur ist definitiv einer der fetteren Songs auf dem jüngst erschienen Crookers-Album Tons Of Friends. Was nicht bedeutet, dass der Track nicht noch cooler werden könnte: Big-Beat-Berzerker Junkie XL hat sich das Teil in den Rechner geladen und daraus einen gut rockenden Remix gebastelt. Feine Midtempo-Nummer mit unwiderstehlichen französischen Vocals.
Neuer Stuff von Surkin: Der Pariser Wunderknabe ballert in ein paar Tagen seine neue EP Silver Islands raus. Nachdem wir letztes Jahr eher wenig vom französischen DJ gehört haben, feiert er jetzt ein stattliches Comeback. Das lässt zumindest die erste Single Fan Out hoffen, die mit funky Bassline und einer explosiven Mischung aus Disco und Big Beats überzeugt.